Galeria Karstadt Kaufhof (GKK), wie weiter am Standort Tempelhof

Erst im Januar 2022 wurde das Unternehmen des österreichischen Investors Rene Benko mit 220 Mio. gestützt. Obwohl 2021 schon ein Kredit in Höhe von 460 Mio. an das milliardenschwere Unternehmen vergeben wurden. Damit sollte bundesweit ein Neustart, der noch bestehenden Häuser begonnen werden. Die Investitionen blieben aus, auch am Standort Tempelhof, wo das Unternehmen Signa „Wortbruch“ begangen hat, denn die angekündigten Modernisierungen und Investitionen wurden nicht umgesetzt, wie beispielsweise ein Café einzurichten, auch sollte vor Ort eine bezirkliche Mieterberatung im Untergeschoss angeboten werden. Daran hatte die Konzernleitung in Essen kein Interesse.

Nun haben wir die dritte Pleite seit 2019, von GKK. Nach der zweiten wurde noch seitens der Politik die Hoffnung verbreitet, dass es für alle Beteiligte eine positive Wende nimmt, und dabei wurde viel Vertrauen in die Versprechungen der Unternehmensführung gesetzt. Die Gründe für die Schließung liegen jedoch offensichtlich nicht alleine am zu geringen Umsatz, denn die Umsatzentwicklung im Geschäftsjahr 2022/23 waren positiv, wie durch eine mündliche Anfrage in der BVV (Bezirksverordnetenversammlung) im Bezirk erfragt wurde. Es ist daher nicht nachvollziehbar, dass das Aus nicht hätte abgewendet werden können. Klar ist, der Umsatz alleine, spielte keine Rolle, so wie es sich jetzt darbietet. Beurteilt wird vom Unternehmen der noch bestehende Bestand von 92 Warenhäusern deutschlandweit, wovon bis jetzt 16 Häuser schließen müssen.

Konkret ist inzwischen, dass Galeria Tempelhof als eines der drei Häuser in Berlin, bis Mitte des Jahres geschlossen wird. Dies ist ein großer Verlust (nicht nur für die 70% Stammkunden mit Kundenkarte) für die Einkaufsstraße, Tempelhofer Damm insgesamt, denn Karstadt ist nach wie vor ein Kundenmagnet, ein Kaufhaus in dem man für jeden Bedarf etwas bekommt. Und die Menschen wollen in ihrem Kiez einkaufen können. Nicht nur die Tempelhofer, sondern auch die Zulieferer und die kleinen Gewerbetreibende in der Nähe wollen, dass Galeria Karstadt fortbesteht. Ein weiteres Ladensterben bliebe, ohne Karstadt, vermutlich unausweichlich. GKK ist auch keine Konkurrenz zum „Tempelhofer Hafen“, vielmehr eine Ergänzung im Angebot.

Besonders bitter trifft es jedoch wieder mal die Angestellten des Kaufhauses, die meist weiblichen Beschäftigen die zur vermeintlichen Rettung des Konzerns bereits in den vergangenen Jahren Einkommenseinbußen in Kauf genommen hatten. Einen kleinen Lichtblick für das Verkaufspersonal gibt es jedoch, dank der Bemühungen des Bezirksbürgermeisters von Tempelhof-Schöneberg. Aus der Großen Anfrage von DIE LINKE ist in der Antwort u.a. zu erfahren: „Gleichsam bemühen wir uns um einen Sondierungstermin mit dem Betriebsrat, um mögliche Anforderungsprofile bei uns (im Bezirksamt) mit Kenntnissen und Fähigkeiten der Mitarbeitenden von Karstadt in Einklang zu bringen wären. Ein ähnlicher Termin wird der Betriebsrat wohl auch mit der Rentenversicherung durchführen.“ Aber ob dieses Angebot auch für die über 50 jährigen gilt, bleibt fraglich. Es muss aber für ALLE Angestellten  eine Entschädigung geben, sowie eine weitere berufliche Perspektive.

DIE LINKE ist gegen ein weiteres Ladensterben, was eine forcierende Verödung des Kiezes mit sich bringt. Wir wollen, dass es für das Kaufhaus ein neues Konzept gibt, mit möglicher Mischnutzung: Kaufhaus plus sozial-kulturelle Angebote, plus ein Angebot, beispielsweise einem Café, zum Verweilen.

Elisabeth Wissel