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Stolpersteingedenken für Euthanasieopfer in der Feurigstraße

In der Straße unserer Geschäftstelle, der Feurigstr. 23, lebte Helmut Deutschmann mit seinen Eltern. Sein Vater Otto war Arbeiter bei der BVG. Gehörlos wurde Helmut 1921 geboren. Wegen der Ideologie der Nazis starb er gewaltsam am 27. April 1944.

Initial war Helmut nur ohne Ticket im Nahverkehr unterwegs. Am 09.01.1943 war er von einem Straßenbahnschaffner aufgegriffen worden, als er in Rahnsdorf in die Straßenbahn nach Woltersdorf stieg, ohne Geld bei sich zu haben. Der Schaffner übergab ihn der Polizei, die ihn zuerst
in ein Polizeigefängnis brachte. Dort wurde er auf seinen Geisteszustand hin untersucht. Das Ergebnis -„gemeingefährliche Geisteskrankheit“- führte dazu, dass er in die Wittenauer Heilanstalten gebracht wurde. Der Aufnahmearzt stellte fest, dass Helmut Deutschmann gehörlos war und weder lesen noch schreiben konnte.

Seine Mutter setzte schließlich durch, dass er am 09.02.1943 entlassen wurde und wieder zu Hause wohnen konnte. Nach ihrem Tod Anfang des Jahres konnte sein Vater nicht mehr für ihn sorgen. Er wurde erneut nach Wittenau gebracht.

Helmut Deutschmann galt als „schwieriger“ Patient, da er nicht lautsprachlich kommunizieren konnte. So wurde er am 11.03.1944 zur Verlegung nach Meseritz-Obrawalde vorgeschlagen, was am 26.04.1944 auch geschah. Nur einen Tag später starb er dort.

Menschen, die als behindert oder als psychisch krank gebrandmarkt waren, wurden systematisch sterilisiert, ermordet und grauenvollen Experimenten unterzogen. Zu so etwas darf es nie wieder kommen. Dafür machen wir uns stark, auch indem wir gedenken.

Heute hinterlassen wir Helmut ein Blümchen und ein kleines Licht.
 

Katharina Marg