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Gesundheitspolitische Reise

Im monatlichen Gesundheitsausschuss des Bezirksparlaments (der BVV) vertrete ich die DIE LINKE Tempelhof-Schöneberg (T-S). Hoffentlich haben wir aber schon ab der nächsten Kommunalwahl dort etwas mehr Verstärkung. Aktuell bin ich allein, als eine von 15 Verordneten. Der Ausschuss ist öffentlich und findet meist am vierten Montag des Monats an wechselnden Orten statt.

Im Sommer nahm ich gegen Ende meiner Chemotherapie, um mich weiter zu ermutigen, an einer Bildungsreise des Vereins Kommunalpolitisches Forum (KF) teil. Davon berichte ich in diesem Artikel kurz.[1] Das KF organisiert regelmäßig Bildungsveranstaltungen, die Themen für Berlin und die bezirkliche Ebene beleuchten.[2] Diesmal ging es Richtung Süden, nach München und Erfurt auf den Spuren des Gesunde Städte Netzwerks. Auch T-S ist darin seit neun Jahren Mitglied.[3] Die Leitlinien sind in der Ottawa-Charta festgehalten. Gesundheit steht dort nicht nur für die Abwesenheit von Krankheit, sondern für ein ganzheitliches und positiv besetztes Konzept. Neben den körperlichen Fähigkeiten wird betont: Menschen müssten „ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und ihre Umwelt meistern und verändern können“. Dazu sollten gleiche Möglichkeiten geschaffen werden.[4]

Aha! Mich erinnert das zu seinem diesjährigen zweihundertsten Geburtstag an Marxens Idee vom Menschen. Wie und mit wem gemeinsam wollen denn Verwaltungen das konkret erreichen? Wir Interessierten konnten es erfragen. Ein Thema beim Münchens Referat für Gesundheit und Umwelt war die Umsetzung des erneuerten Präventionsgesetzes.[5]

Aus Berlin berichtete u.a. die LINKE Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle über die kommunalen Gesundheitskonferenzen, wie genau unterschiedliche Lebensphasen individuell unterstützt und wie Erfahrungen und Erfordernisse ausgetauscht werden. Die Stadt München hat jetzt gemeinsam mit der AOK das Projekt „Gesund vor Ort“ begonnen. Durch die Mitgestaltung engagierter Nachbarn werden Maßnahmen erdacht, die gemeinsam im Netzwerk umgesetzt werden. Im Fokus stehe es, benachteiligte Menschen zu erreichen und die Geschlechtergerechtigkeit voranzubringen. Die Kampagne wird wissenschaftlich begleitet.

Zentral für die Umsetzung sind eine Ärzteschaft, die besser vernetzt werden müsste, der Gesundheitsdienst, der ohnehin alle Schulkinder untersuchen lässt und die Stadtteiltreffs in jedem Bezirk, sowie die aufsuchende Arbeit ohne Stigmata. Die Fachstelle für Migration und Gesundheit beschrieb, wie erschwerte Zugänge zur Gesundheitsvorsorge durch zahlreiche Kooperationseinrichtungen verbessert werden.  Die Vereine Donna Mobile und MAGS stellten sich und ihre vielfältigen und einfallsreichen Angebote vor. Am Abend besuchte ich noch den Münchner Gesundheitsladen, ein beeindruckendes, gestandenes Projekt,[6] dass ich so auch für Berlin wieder wünschenswert fände. Ich erfuhr das auch in München ein Volksentscheid für mehr Personal im Krankenhaus entsteht.

Am nächsten Tag ging es um den völlig neu zu errichtenden Stadtteil Freiham. Anschließend wir das 2017 ausgelaufene Quartiersmanagement (QM) in Rahmersdorf / Berg am Laim und die verstetigten Nachbarschaftsprojekte.[7] Es ging dann noch in das kunsthandwerkliche Erfurt, wo uns u.a. LINKE Gesundheitsministerin Heike Werner viel Spannendes von den Landesgesundheitskonferenzen berichtete.

m nächsten Tag spazierten wir mit Bürgermeisterin Tamara Thierbach zu verschiedensten Projekten, vom Kinder- und Jugendabenteuerhof zur Obdachlosenhilfe und zum Spendencafé, wo wir viel über sogenannte Settings und großartige Arbeit erfuhren, und dass Daten dann eben auch soziale Taten folgen müssen. Für die Ausschussarbeit habe ich damit einiges Wissen und viele Fragen gewonnen, die es jetzt, gern zusammen mit weiteren Interessierten, zu bearbeiten gilt.

 


[1] Ausführlicher berichte ich auf unserer Internetseite www.dielinke-tempelhof-schoeneberg.de 

[2] www.kommunalpolitik-berlin.de

[3]

www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/politik-und-verwaltung[...]

[4] Ottawa Charta zur Gesundheitsförderung, 1986

[5] Die LINKE hatte dieses 2015 im Bundestag abgelehnt und einen Gegenentwurf unterbreitet. Denn als ungerecht betrachten wir unter anderem, dass die Kosten nur von den gesetzlichen Krankenkassen getragen werden.

[6] www.gl-m.de

[7] Mehr zur Verstetigung des QMs in TS im LUPE-Artikel von Harald