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Positionspapier: Verrichtungsboxen

Sexarbeit ist Realität. In Berlin gehört seit langer Zeit der Straßenstrich rund um die Kurfürstenstraße zum Stadtbild, das den Kiez im Schöneberger Norden maßgeblich mitprägt.

Auch wenn wir für eine Gesellschaft kämpfen, in der kein Mensch gezwungen ist, aus Not oder unter Zwang seinen Körper zu verkaufen, sind wir aktuell gefordert, die Situation der Frauen* vor Ort zu verbessern.

Durch die Vielzahl an Neubauprojekten, wie zum Beispiel dem Carré Voltaire in der Kurfürstenstraße, und die dadurch sich verändernde Anwohner_innenschaft werden Konflikte an die Oberfläche gespült und Sexarbeit mit all ihren Begleiterscheinungen sichtbarer: Dienstleistungen werden auf offener Straße verrichtet und die anhaltende Verschmutzung zeigt deutlich das florierende Geschäft. Es ist offensichtlich, dass für Anwohner_innen und Sexarbeiter_innen eine Situation geschaffen werden muss, in der ein Miteinander wieder möglich ist.

Eine Idee ist dabei die Errichtung von sogenannten Verrichtungs- bzw. Stehboxen unter den U-Bahnbögen entlang der U2. Diese sollen Anlaufstellen für Freier sein, die als Fahrradfahrer und Fußgänger die Kurfürstenstraße aufsuchen, um die Dienstleistungen der Sexarbeiterinnen* vor Ort in Anspruch zu nehmen. 

Wir halten die Errichtung der Verrichtungsboxen in Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen für einen guten Weg, um die sichtbare Verrichtung der Sexarbeit von der Straße und aus den Hauseingängen bzw. aus den Kellern zu holen. Gleichzeitig werden sichere Rahmenbedingungen für die Frauen* geschaffen, denn ausgestattet unter anderem mit einem Notfall-Knopf und betreut durch soziale Träger bieten die Verrichtungsboxen den Frauen* wirksamen Schutz vor Übergriffen.

Natürlich sind damit nicht alle Probleme gelöst. Es wird weiterhin notwendig sein, Begleitkriminalität, die rund um die Sexarbeit existiert, konsequent zu verfolgen. Präventiv muss es in erster Linie darum gehen, die Armut zu bekämpfen, die die Frauen* dazu bringt, sich mit Sexarbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Den Frauen, die vor allem aus Ost und Südosteuropa stammen, muss, wenn sie aus der Perspektivlosigkeit ihrer Herkunftsländer fliehen, eine reale Möglichkeit geboten werden, mit der sie sich langfristig ein Leben aufbauen und ihre Familien in den Heimatländern unterstützen können. Dies wäre zum Beispiel durch einen europaweiten Mindestlohn und eine gezielten Strukturförderung in den Heimatländern der Frauen möglich.   

Verdrängung der sichtbaren Armut, Moralisierung von Sexarbeit und emotionale Debatten helfen nicht weiter. Vielmehr muss das Bezirksamt ins Handeln kommen, um die Situation und den Schutz der Sexarbeiter_innen zu verbessern und Lösungen für die Anliegen der Anwohner_innen zu finden.