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Kleine Anfrage, Elisabeth Wissel (LINKE)

Gedenken auf dem Tempelhofer Feld (THF)

Inwieweit ist der fraktionsübergreifende Antrag von 2011 „Schaffung eines Gedenk- und Informationsortes am Columbiadamm bei der Entwicklung des Tempelhofer Feldes berücksichtigen“ (Drs. 16/4267) aus dem AgH umgesetzt worden?

Die Tempelhof Projekt GmbH teilt mit, dass im März 2020 von der Stiftung Topographie des Terrors in Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Kultur und Europa ein Gestaltungswettbewerb für eine temporäre Gestaltung am Erinnerungsort KZ Columbia ausgelobt wurde. Damit verbundenes Ziel war es, im Rahmen der Aufarbeitung der NS-Geschichte am Flughafen Tempelhof einen würdigen Erinnerungsort zu schaffen, der die Geschichte des Ortes dokumentiert. Da es bisher noch keine abgeschlossenen Planungen für die vorgelagerten Außenanlagen des Flughafengebäudes gibt, soll zunächst eine temporäre Gestaltung am Erinnerungsort KZ Columbia nahe des Kopfbaus Ost umgesetzt werden.

Der Wettbewerb endete mit der Vergabe des 1. Preises an den Gestaltungsentwurf von Martin Bennis und Weidner Händle Atelier. Mit einem von weitem sichtbaren "nicht mehr zu sehen"-Schriftzug soll künftig an das einzige Konzentrationslager innerhalb Berlins, das "Columbia-Haus", erinnert werden. Das Spruchband soll am historischen Standort des KZ Columbia zu sehen sein – auf der Böschung vor dem Ostflügel des Flughafengebäudes. Die bauliche Realisierung verzögerte sich pandemiebedingt. Auftraggeber ist die Stiftung Topographie des Terrors.

Welche Empfehlungen von dem Runden Tisch „Historische Markierungen Tempelhofer Feld“ gibt es, und welche davon wurden bereits umgesetzt, und welche werden in Zukunft noch von der Projekt GmbH umgesetzt werden?

Hierzu schreibt die Tempelhof Projekt GmbH, dass der Runde Tisch „Historische Markierung Tempelhofer Feld“ 2012 unter der Federführung der Stiftung Topographie des Terrors gegründet wurde. Seit 2021 übernimmt die Tempelhof Projekt GmbH die Organisation des Runden Tischs. Seit 2012 berät der unabhängige Expert:innenkreis das Land Berlin bei der Dokumentation der Geschichte des Flughafens Tempelhof und empfiehlt konkrete Projekte. Dazu gehörten in der Vergangenheit die archäologischen Grabungen auf dem Tempelhofer Feld, der Informationspfad zur Geschichte, die Gedenktafel am Hauptgebäude sowie die Überblickausstellung „Ein weites Feld. Der Flughafen Tempelhof und seine Geschichte“ der Stiftung Topographie des Terrors. Außerdem ist die Veranstaltungsreihe THFxGESCHICHTE ein wesentlicher Baustein in der erinnerungskulturellen Arbeit am Standort.

Welche dauerhafte Dokumentation bzgl. der Verbrechen während der Zeit des Nazi-Regimes wurden auf dem THF erstellt?

Die zuständige Grün Berlin GmbH teilt hierzu mit, dass ein „Informationspfad“ (20 Infostelen mit Texten und historischen Bildern) 20 Erinnerungs- und Gedenkorte markiert und die Besucherinnen und Besucher mit Stationen der Geschichte des Tempelhofer Feldes bekannt macht. Ergänzend dazu liegt ein Flyer als Handreichung vor.

Welche Planungen bzgl. Gedenkstätte Tempelhofer Feld gibt es derzeit?

Die Grün Berlin GmbH schreibt, dass die „AG Geschichte und Gedenken“ nach einer Auszeit am 07.04.2022 getagt hat. Konkrete Planungen auf der Fläche des Tempelhofer Feldes liegen aktuell nicht vor.

Gibt es Pläne eines Gedenk- und Lernortes unter Einbeziehung der historischen Orte auf dem THF?

Von der Grün Berlin GmbH gibt es diesbezüglich die Aussage, dass hierzu aktuell keine Pläne vorliegen.

Gibt es die Absicht die bisherige Ausstellung nicht allein auf die Opfer, sondern auch auf die Täter auszuweisen, wie dies von Teilnehmer:innen des Runden Tisches gefordert wurde?

Die zuständige Tempelhof Projekt GmbH informiert diesbezüglich, dass das Thema bekannt ist, jedoch für den Standort bisher unzureichend erforscht ist. Im Bewusstsein der Relevanz des Themas wird angestrebt, in erinnerungskulturellen Projekten des Standortes Täterbiographien abzubilden. In der Ausstellung „Ein weites Feld“ werden auch Täter ausgewiesen, eine Erweiterung der Ausstellung darüber hinaus ist aktuell nicht geplant.

Gibt es die Absicht, neue Erkenntnisse, wie beispielsweise die ab November 1934 als homosexuell verhafteten Männer und Jungen oder als kriminell und asozial diskriminierte Jungen und Männer, die im KZ-Columbia interniert waren, beim Gedenken auf dem THF mit einzubeziehen?

Laut Aussage der Tempelhof Projekt GmbH soll die temporäre Gestaltung am historischen Standort des KZ Columbia im Rahmen der Aufbereitung der Standortgeschichte ein würdiges Erinnerungszeichen schaffen. Die spezifische Erinnerung an eine Opfergruppe würde den historischen Tatsachen nicht gerecht. Daher wird die Benennung und Einbeziehung weiterer Opfergruppen, auch die der als homosexuell verfolgten Männer, angestrebt.

Wie wurden die archäologischen Funde der Ausgrabungen vor einigen Jahren dokumentiert und wurden bzw. werden sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht?

Die Grün Berlin GmbH teilt hierzu mit, dass Informationen unter https://www.archaeologie-tempelhof.de/ öffentlich zugänglich sind. Am 21. Februar 2022 wurden durch die verantwortlichen Wissenschaftler_innen im Rahmen eines Abschluss-Kolloquiums Prozesse und die Ergebnisse präsentiert, dokumentiert und öffentlich. Ferner werden durch die Wissenschaftler_innen weitere Informationen (bspw. Publikationen und Vorträge) erarbeitet. Überdies wird in Kürze auf die Ausgrabungen und die Webseite in der Medienstation im Infopavillon auf dem Tempelhofer Feld hingewiesen.

Warum gibt es keine archäologischen Fenster zu den Grabungsfunden?

Laut Aussagen der Grün Berlin GmbH wurde dies bisher nicht als Projekt durch das Land Berlin an die Grün Berlin GmbH definiert. Infolge liegen keine Finanzierung und kein Gesamtkonzept vor.

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